10 Jahre Magento 2
Das Final Release von Magento 2.0 ist vor genau zehn Jahren erschienen. Aus diesem Anlass werfen wir in diesem Beitrag einen Blick auf die bewegte Geschichte und die Entwicklungen in der Community der größten Open-Source-Plattform aller Zeiten für den E-Commerce.
Inhaltsverzeichnis
Eine wechselvolle Geschichte
Der Launch von Magento 2.0 am 17. November 2015 war schon lang erwartet worden. Die ausgesprochen große Magento Community in aller Welt war enorm gespannt auf den Nachfolger von Magento 1.x, das seinerzeit am weitesten verbreitete Shopsystem.
Das Final Release von Magento 2.0: Große Erwartungen und Herausforderungen
Die Erwartungen an Magento 2 waren extrem hoch – immerhin wurde der Marktführer auf eine vollkommen neue technische Grundlage gestellt. Dass anstelle eines (mehr oder weniger einfachen) Upgrades von Magento 1.x auf die Version 2.0 eine aufwendige Migration stehen würde, war schon im Vorfeld klar. Aber schon bald setzte sich die Erkenntnis durch, dass dieser Kraftakt sich aus Händlersicht durchaus lohnt.
Mit den Zielen einer klareren Code-Struktur und besserer Performance war für Magento 2 ein neuer, modularer Aufbau entwickelt worden. Dank des ebenfalls neuen Layer-Konzepts mit einem sogenannten Service-Layer zwischen Frontend und Geschäftsprozessen bot das Backend weniger Angriffsfläche für Attacken von außen. Damit läutete Magento 2 das Ende einer langwierigen Leidensgeschichte voller Sicherheitslücken und Hackerangriffe ein.
Das Backend und das Frontend von Magento 2 waren konsequent für Mobilgeräte konzipiert. Was heute selbstverständlich ist, war 2015 noch ein bemerkenswerter, wenn auch schon notwendiger Schritt. Versprochen wurden auch überragende Skalierbarkeit, Flexibilität, Stabilität und Performance. Magento 2 war out-of-the-box gut aufgestellt, sollte aber noch ein paar Major-, Minor- und Security-Releases brauchen, um aus den anfänglichen Kinderkrankheiten herauszuwachsen. Wer sich mit der Chronologie der Ereignisse eingehend auseinandersetzen möchte, kann das entlang unserer Blog-Beiträge zu Magento 2 tun.
Rückblick: Magento in unruhigem Fahrwasser
Das Final Release von Magento 2.0 fiel in eine ausgesprochen bewegte Zeit. eBay hatte 2011 mit der Übernahme von Magento einst noch größere strategische Ziele ins Auge gefasst. Aber die allgemein erwarteten Synergieeffekte und innovativen Impulse sollten ausbleiben. Magento, der einst unangefochtene Vorreiter unter den E-Commerce-Plattformen, büßte im Laufe weniger Jahre sogar Marktanteile ein. Nach der Ankündigung einer Aufspaltung in die beiden voneinander getrennten Konzerne eBay und PayPal folgte Ende 2014 eher beiläufig die Nachricht von dem mit dieser Umstrukturierung verbundenen Ende von eBay Enterprise und der damit einhergehenden Trennung von Magento. Im Februar 2015 schrieben wir hier im Blog: „Magento wird schon bald nicht mehr zu eBay gehören“ – und so kam es dann auch.
Noch vor dem Launch von Magento 2.0 fand Magento in dem Investmentfonds Permira einen neuen Eigentümer (wir berichteten) – für ungefähr 200 Millionen US-Dollar – und war unternehmerisch wieder unabhängig, was neue Hoffnung auf spürbare Verbesserungen nährte. Der E-Commerce befand sich bereits in einem Konsolidierungsprozess, der das Feld der Onlinehändler aufgrund von gestiegenen Nutzererwartungen, kürzeren technischen Entwicklungszyklen und einem härter geführten Konkurrenzkampf gnadenlos in Gewinner und Verlierer aufteilte. Magento 2 sollte die ideale technologische Grundlage für das erfolgreiche Bestehen dieser Herausforderungen bilden.
Splendid Internet: Supporter vom ersten Tag an
Unsere ersten Magento 2 Demoshops boten wir unmittelbar zum Final Release der Version 2.0 an. Diesen in der Community, insbesondere bei Händlern sehr geschätzten Service gewährleisten wir bis heute. Um deutschsprachige Shopbetreiber beim Umstieg auf Magento 2 zusätzlich zu unterstützen, veröffentlichten wir bereits wenige Monate später das erste deutsche Sprachpaket für Magento 2. Und bereits Mitte 2016 erschien die erste Auflage unseres Magento 2 Handbuchs für Shopbetreiber.
Umbenannt, verkauft, wieder umbenannt – und doch noch Magento
Im Sommer 2017 gab es ein erstes Rebranding für Magento. Magento Community Edition hieß fortan „Magento Open Source“, während Magento Enterprise Edition künftig „Magento Commerce“ genannt wurde. Auf diese Weise wurde weiterhin – und sogar umso deutlicher – zwischen umsatzstarken Enterprise-Kunden und den Community-Nutzern unterschieden. Magento jagte mit seiner erweiterten Produktpalette um Magento Commerce weiterhin den dicken Fischen nach, wollte aber zugleich mit Magento Open Source seine Offenheit betonen und den Kontakt zur Community aufrecht erhalten. Wohl wissend, dass aus dieser Richtung auch in Zukunft sehr viel Know-how und wertvolles Feedback zu erwarten war.
Aber schon bald gab es den nächsten Eigentümerwechsel: Im Frühjahr 2018 wurde der Kauf von Magento durch Adobe für knapp 1,7 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Wie angekündigt, folgte schon bald die nahtlose Integration der Magento Commerce Cloud in die Adobe Experience Cloud, um die dort bereits versammelten Lösungen für Advertising, Analytics und Marketing um den Baustein E-Commerce zu ergänzen – und zwar sowohl für den B2B- als auch für den B2C-Bereich. Unter dem Dach von Adobe sollte Magento insbesondere von Adobes hervorragendem Know-how zur Auswertung von Daten und das gezielte Ausspielen von Inhalten für perfekte Einkaufserlebnisse profitieren.
Die damit verbundenen Umwälzungen führten zu einem weiteren Rebranding. Zunächst wurde (im Frühjahr 2020) aus der Magento Commerce Cloud die „Adobe Commerce Cloud“, und ein Jahr später folgte dann die Umbenennung von Magento Commerce in „Adobe Commerce“.
Verschwunden ist der Name Magento damit jedoch keineswegs. Denn noch heute heißt die kostenfrei nutzbare Variante des Systems „Magento Open Source“.
Durch Dick und Dünn: Die Magento Community
Schon während der sogenannten „eBay Jahre“ von 2011 bis 2015 war die Magento Community darauf angewiesen, auch große Neuerungen selbst anzupacken, was ihr damals ausgesprochen gut bekam. In der Arbeit an der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung von Magento wurden immer dickere Bretter gebohrt – und die Community strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. Kurz vor eBays Trennung von Magento wurde die Meet Magento Association gegründet. Diese Non-Profit-Organisation wurde schnell zu einem integralen Bestandteil des weltweit wachsenden Developer-Netzwerks.
Meet Magento und mehr
In immer mehr Ländern wurden Meet Magento Events veranstaltet, die bis heute zahlreiche internationale Teilnehmer anziehen (so waren wir zuletzt auf der Meet Magento NL), und die Magento Developer Community setzte auch in Sachen Extensions neue Maßstäbe. Das gilt zum Beispiel für die geschätzten Kollegen von FireGento, die sich übrigens auch darum kümmerten, dass mit der internationalen Magento unConference (später aus markenrechtlichen Gründen dann „Mage UnConference“) auch hierzulande immer vielfältigere Plattformen für den Austausch entstanden. Dementsprechend bestürzt waren die versammelten Teilnehmer bei der diesjährigen Mage UnConference in Köln, als bekanntgegeben wurde, dass es leider keine weitere Auflage dieser nunmehr seit zehn Jahren bestehenden Eventserie mehr geben wird (wir berichteten).
Wichtigstes Tool für Developer: Magerun
Zu besonderem Dank ist die Community auch Christian Münch und netz98 (inzwischen valantic) verpflichtet. Immerhin hat das von ihnen bereitgestellte, überaus praktische n98-magerun2 dafür gesorgt, dass viele, viele Entwickler in aller Welt seit Jahren unzählige Arbeitsstunden sparen, indem sie dieses robuste Befehlszeilen-Tool in der täglichen Arbeit mit Magento für eine ganze Reihe wichtiger Aufgaben einsetzen.
Entfremdung und Aufbruchstimmung
Am 14. September 2021 veröffentlichten 18 Menschen aus der Magento Community, die sich als Mage Open Source Community Alliance (MOSCA) zusammengetan hatten, einen offenen Brief an die gesamte Magento Community, worüber wir hier im Blog ausführlich berichtet haben. Während die Community noch da sei, hieß es darin, bewege sich Adobe Commerce zunehmend weg von der bisherigen monolithischen Architektur hin zu dem auf Cloud-Technologien basierenden Microservice-Ansatz von Adobe. Während große Unternehmen künftig zwar gut und gern auf solche Technologien bauen könnten, sorgen sich die Erstunterzeichner des offenen Briefs um den Fortbestand der Plattform Magento Open Source – und damit nicht zuletzt um kleine und mittelständische Unternehmen, die auf Magento 2 als selbst gehostetes, auf PHP und MySQL basierendes Shopsystem angewiesen sind. Der Brief fand schnell breite Unterstützung, wurde bisweilen aber auch kontrovers diskutiert.
„The Fork“: Mage-OS
Mit der Kritik an Adobes Umgang mit Magento und der Community wurde die Ankündigung verbunden, es werde einen Fork, also eine Abspaltung des quelloffen entwickelten Codes geben. Das Ergebnis wurde schon bald vorgestellt (auch darüber berichteten wir): die auf Magento 2 basierende Distribution Mage-OS, die vollständig von der Community getragen wird und vor Kurzem in Version 2.0 erschienen ist.
Vieler Hände Werk und Hyväs Beitrag
In einem Rückblick auf die Entwicklungen in der Magento Community darf inzwischen der Name Hyvä nicht mehr fehlen. Während Magento 2 sein zehnjähriges Jubiläum feiert, gibt es inzwischen auch Hyvä seit fünf Jahren. Das ambitionierte Unternehmen um Willem Wigman und Vinai Kopp war einst mit dem bahnbrechend schlanken Frontend Hyvä Theme gestartet und legte in kurzer Zeit immer wieder nach, um eine beeindruckende Produktpalette zusammenzustellen. Hyvä hat viel in die Community investiert und dort für eine erfreuliche Wiederbelebung gesorgt, was sich auch auf Veranstaltungen wie dem Hyvä Camp Kiel im Sommer 2025 zeigt.
Und wie geht es weiter?
Bei allen Unkenrufen und Spekulationen um Magento 3 ist für Magento 2 auch nach einem Jahrzehnt noch kein End-of-life in Sicht. Das Final-Release der Version 2.4.9 ist laut aktueller Roadmap für Mai 2026 geplant. Und dann gibt es ja auch noch Mage-OS – und eine (wieder) sehr lebendige und tatkräftige Community.
Wir freuen uns sehr, ein Teil dieser internationalen Gemeinschaft zu sein und wünschen Magento 2 alles Gute zum zehnten Geburtstag!