Magento: Wie geht es weiter?

Zwischen allen Stühlen: Wie geht es weiter mit Magento?

So schnell kann es gehen. Erst 2011 übernahm eBay Magento, dass schon damals längst kein kleiner Fisch mehr war – und jetzt will der im Umbau befindliche Internetriese das weltweit verbreitetste Shopsystem bereits wieder loswerden? Zwar sind zu diesem Thema bislang eher ungefähre Verlautbarungen verbreitet worden, aber die rund um den gerade veröffentlichten Jahresbericht 2014 gestreuten Information lassen doch relativ genau erkennen, welche Veränderungen es für Magento im Jahr 2015 geben wird. Aber was heißt das alles für die Community?

eBay und Magento

Die Übernahme von Magento durch eBay wurde seinerzeit als gelungener Schachzug bewertet und man wartete gespannt auf erste sichtbar werdende Synergieeffekte und innovative Impulse – nur kam dann nicht viel. Im Gegenteil: Magento, der einst unangefochtene Vorreiter unter den E-Commerce-Plattformen, büßte im Laufe weniger Jahre immer mehr von seinem Vorsprung ein. Als einschneidendste Entwicklung aus der kurzen gemeinsamen Zeit von eBay und Magento wird wohl das 2013 verkündete Ende von Magento Go im Gedächtnis bleiben. Im selben Jahr wurde Magento in den gerade von GSI Commerce in eBay Enterprise umgetauften Konzernteil eingegliedert. Kurz nach seiner Präsentation der Geschäftsergebnisse des Vorjahres trennten sich eBay und der Chef von eBay Enterprise, Chris Saridakis im Januar 2014. Nach der im September verbreiteten Ankündigung einer Aufspaltung in zwei voneinander getrennte Konzerne (eBay und PayPal) folgte nun, im Rahmen des Jahresabschlusses 2014 eher beiläufig die Nachricht vom mit der Umstrukturierung verbundenen Ende von eBay Enterprise und der damit einhergehenden Trennung von Magento. Die PayPal Produktpalette, so viel lässt sich bereits sagen, ist während der Jahre unter dem Dach von eBay gründlich und umfassend in den Magento Checkout integriert worden. Sie wird das Shopsystem seinen neuen Eigentümern als Mitgift mitbringen.

Was wird aus eBay Enterprise?

Derzeit sieht alles danach aus, dass eBay 2015 zu seinem Schicksalsjahr machen will. So soll im Rahmen der Neuordnung durch die Trennung der großen Marken eBay und PayPal beide Teile effizienter strukturiert werden. Da es nötig sei, “Komplexität zu reduzieren” und “wettbewerbsfähigere Kostenstrukturen zu schaffen”, müssen sich mit 2.400 Mitarbeitern ungefähr 7% der Belegschaft wohl noch in diesem Jahr einen neuen Arbeitgeber suchen. Und eBay Enterprise kommt ebenfalls unter die Räder. Das heißt: es wird als eigenständiger dritter Teil des einstigen eBay Imperiums ausgegliedert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt – oder verkauft. In den neuen, radikal verschlankten Strukturen ist schlichtweg kein Platz mehr für eBay Enterprise. Im Jahresbericht vom 21. Januar 2015 heißt es zur Trennung von eBay und PayPal: “a separation will allow both to focus exclusively on their core markets, as we create two independent world class companies” und zu eBay Enterprise: “it has become clear that it has limited synergies with either business”, während John Donahue außerdem die zunehmend voneinander abweichenden Entwicklungsmöglichkeiten von eBay und eBay Enterprise herausstreicht. Was nicht passt, wird also keineswegs passend gemacht.

Wenn eBay Enterprise – inklusive Magento – aus dem Konzern herausgelöst wird, ist allerdings zu bezweifeln, dass das heterogene Konstrukt auch als Einheit weiterbestehen wird. Der Bereich wirkte schon seit einiger Zeit, spätestens nach der Eingliederung von Magento eher wie eine Verlegenheitslösung, ein aus schwer integrierbaren Konzernteilen zusammengesetztes Konstrukt und nicht wie ein organisches Ganzes. Sowohl der von der Konzernmutter getrennte Börsengang wäre vor diesem Hintergrund mit ernstzunehmenden Risiken, während sich die Aussichten für einen Verkauf, verbunden mit der Zerschlagung in die einzelnen Bestandteile deutlich günstiger ausnehmen. Steht Magento also bald wieder zum Verkauf?

Wem gehört Magento in einem Jahr?

Magento wird schon bald nicht mehr zu eBay gehören – so gesehen hätte die Community allen Grund zum Aufatmen. Es herrscht aber eher ein gespanntes Schweigen und niemand weiß genau, worauf man hoffen darf und wovor nun möglicherweise alle Angst haben müssen. Noch ungewiss sind sowohl die Form, in der Magento aus dem Konzern herausgelöst wird, als auch die Zusammensetzung der Gruppe von Interessenten für die etablierte Marke mit dem etwas verblassten Ruhm vergangener Tage. Wer wollte da schon zu diesem Zeitpunkt eine Prognose abgeben, wer mit seinem Geld in einem Jahr die Weiterentwicklung von Magento Enterprise und natürlich Magento 2 finanziert – und welche Auswirkungen das in Zukunft für Magento im Allgemeinen und für Magento Community Edition im Besonderen hat.

Entkoppelte Eigendynamik: Magento Community

Da aber die Community ohnehin zweifellos der lebendigste Teil von Magento ist, wird diese Welt ganz sicher nicht so bald untergehen, was auch passiert. Im Gegenteil ist es in dieser Hinsicht geradezu egal, wem Magento als nächstes gehört: Magento Community Edition steht längst auf eigenen Beinen. Vielleicht war es so gesehen richtig gut, dass eBay sich zuletzt etwas zurückgehalten hat. Die Entwicklergemeinde war darauf angewiesen, auch große Neuerungen selbst anzupacken – und das hat ihr ausgesprochen gut getan. In der Arbeit an der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung von Magento werden immer dickere Bretter gebohrt und die Community strotzt nur so vor Selbstbewusstsein.

Künftig wird die gerade gegründete Non-Profit-Organisation Meet Magento Association rasant zu einem integralen Bestandteil des weltweit wachsenden Entwickler-Netzwerks rund um die Open-Source-Variante der Software werden. In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt: das Magento Ökosystem ist lebendiger denn je, wobei die derzeit sehr eifrig vorangetriebene Entwicklung und Verbesserung von immer mehr lokalisierten Editionen (Magento DE, Magento AT, Magento CH, Magento RU – und so weiter) und die in immer mehr Ländern veranstalteten Meet Magento Events vielleicht die anschaulichsten Beispiele sind. Die Magento Developer Community hat eine bemerkenswerte Eigendynamik entwickelt, die nicht nur in Sachen Extensions Maßstäbe setzt (etwa FireGento), sondern auch immer vielfältigere Plattformen für den Austausch ins Leben ruft, so zum Beispiel die internationale Magento unConference in Berlin.

Magento Community Edition ist eben nicht das Produkt eines Herstellers, sondern das fortlaufend weiterentwickelte Ergebnis eines sich immer weiter verzweigenden und immer professioneller organisierenden Entwicklungsprozesses. Die Kombination aus einer immer stabileren internationalen Vernetzung und der gleichzeitigen Anpassung an die jeweiligen Erfordernisse nationaler Märkte wird dafür sorgen, dass Magento noch auf Jahre hinaus das marktführende Shopsystem bleibt.

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