Magento 2 Handbuch

1. Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Die Unterscheidung der drei unterschiedlichen Bereiche und Ansichten Store View, Store und Website sorgt in Magento 2 Onlineshops – genau wie in den 1.xer Versionen zunächst nicht selten für Verwirrung. Wie wird der Begriff ‘Website’ in Magento 2 verwendet? Was sind Stores – und wie unterscheiden sich Store Views davon? Der folgende Überblick beantwortet diese Fragen und zeigt, wo und wie die grundlegendende Shop-Architektur in Magento 2 konfiguriert wird.

1.1 Was ist was in Magento 2?

Eines vorweg: Wenn man das scheinbar komplizierte Prinzip von Websites, Stores und Store Views erst einmal verstanden hat, erweist sich die Unterteilung als sehr sinnvoll und bietet Shopbetreibern eine Fülle von Möglichkeiten, die andere Shopsysteme so oft nicht "out of the box" mitbringen. Ein zusätzlicher Vorteil liegt darin, dass Zahl und Zuschnitt der unterschiedlichen Shops, Sortimente und Shopoberflächen zu Beginn keineswegs ein für allemal festgelegt werden müssen. Es ist auch später jederzeit möglich, zusätzliche Store Views anzulegen, einen weiteren Store zu erstellen oder gar eine neue Website hinzuzufügen. Natürlich alles in einer Magento 2 Installation.

In Magento 2 hat man so beispielsweise die Möglichkeit, aus einem bestehenden Shop schnell und einfach einen zweiten zu erstellen und mit einem anderen, auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnittenen Design zu versehen. Dieser Shopkopie lassen sich bei Bedarf außerdem noch zusätzliche Artikel hinzufügen oder auch lediglich Teile des Sortiments aus dem ursprünglichen Shop zuordnen. Die drei dafür zentralen Begriffe sind – wie bereits erwähnt – ‘Website’, ‘Store’ und ‘Store View’ und bedürfen einer kurzen Erklärung.

1.1.1 Websites

Um in einer einzigen Magento 2 Installation mehrere Shops mit unterschiedlichen Artikeln nebeneinander betreiben zu können, müssen mehrere "Websites" angelegt werden. Das heißt: die Shops haben außer der gemeinsamen Datenbank im Hintergrund nichts miteinander zu tun und sind jeweils unter einer eigenen Domain erreichbar. Der Vorteil für den Betreiber ist dabei, dass er alle Shops trotzdem über dasselbe Magento Backend verwalten kann.

Websites in Magento 2 haben:

  • unterschiedliche Artikeldaten,

  • unterschiedliche Kundendaten,

  • unterschiedliche Checkouts,

  • keinen gemeinsamen Warenkorb.

1.1.2 Stores

Mehrere Shopsortimente mit unterschiedlichen Kategorien und Artikeln innerhalb einer Website heißen "Stores". Das heißt, der Kunde kann in den unterschiedlichen Shops Artikel in den Warenkorb legen und dann über einen gemeinsamen Checkout-Prozess bestellen. Dafür muss er sich nur einmal registrieren. Jeder Store benötigt jedoch zwingend einen eigenen Kategoriebaum.

Stores in Magento 2 haben:

  • unterschiedliche Artikeldaten,

  • gemeinsame Kundendaten,

  • einen gemeinsamen Checkout,

  • einen gemeinsamen Warenkorb.

1.1.3 Store Views

Ein Shop (Website) mit den gleichen Kategorien und Artikeln (Store) kann in unterschiedlichen Sprachen und/oder mit abweichenden Layouts und Designs angelegt werden. Jede Variante der Shopoberfläche wird dann durch einen eigenen "Store View" umgesetzt. Auch ein einzelner Store View kann über eine eigene Domain im Internet verfügbar gemacht werden. Aus Sicht des Kunden ist es dann ein getrennter Online-Shop.

Store Views in Magento 2 haben:

  • gemeinsame Artikeldaten,

  • gemeinsame Kundendaten,

  • einen gemeinsamen Checkout,

  • einen gemeinsamen Warenkorb,

  • unterschiedliche Shopoberflächen.

1.2 Magento 2 Anwendungsbeispiele

1.2.1 Eine Website mit einem Store und zwei Store Views

Die einfachste Variante für eine Magento 2 Installation ist eine Website, der nur ein einziger Store zugeordnet ist, das heißt es gibt nur einen Shop mit einem einzigen Kategoriebaum. Zur Ansicht wurden nun jedoch zwei Store Views angelegt, die den Shop beispielsweise in unterschiedlicher Sprache darstellen.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

1.2.2 Eine Website und zwei Stores

In diesem Beispiel werden zwei unterschiedliche Sortimente in einer Website abgebildet. Jeder Store hat seinen eigenen Kategoriebaum. Kunden, die ein Kundenkonto angelegt haben, können in beiden Stores einkaufen und die ausgewählten Artikel erscheinen in einem Warenkorb. Store 1 ist dabei zusätzlich in zwei Store Views verfügbar, die zum Beispiel zwei Sprachvarianten für diesen Store ermöglichen.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

1.2.3 Zwei Websites und zwei Stores

Hier wurden zwei Websites angelegt, um die Shops komplett voneinander zu trennen. In diesem Beispiel gibt es getrennte Artikelwelten, Kundendaten und Warenkörbe. Gleichwohl können beide Shops in einer einzigen Magento 2 Installation verwaltet werden.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

1.3 Die Arbeit mit Websites, Stores und Store Views in der Praxis

Das Anlegen und Verwalten von Websites, Stores und Store Views in Magento 2 ist übersichtlich und einfach. Im Stores Menü muss unter Settings der Punkt All Stores ausgewählt werden. Nun wird im unteren Bereich eine Übersicht der bestehenden Shops, Sortimente und Shopoberflächen angezeigt. Hier ist die Magento Terminologie recht verwirrend, denn in einem mit ‘Stores’ bezeichneten Bereich lassen sich neben Stores auch Websites und Store Views konfigurieren. Hiervon sollten Shopbetreiber sich nicht verunsichern lassen.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Neue Websites, Stores und Store Views können mit den drei Schaltflächen oben rechts hinzugefügt werden. Dabei wird in diesem Bereich jedoch nur die abstrakte Struktur für eine echte Multishop-Umgebung beziehungsweise unterschiedliche Shopoberflächen geschaffen.

1.3.1 Konfiguration grundlegender Einstellungen für Websites, Stores und Store Views

Die unterschiedlichen Einstellungen (beispielsweise Layouts, Frontend-Sprachen, Checkout-Optionen) können unter Stores > Configuration den jeweiligen Websites, Stores und Store Views zugewiesen werden.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Ebenfalls etwas irreführend ist dabei die Beschriftung des Drop-Down-Menüs mit "Store View" – immerhin lassen sich darin neben Store Views auch Websites, Stores und eine weitere, die Wurzelebene Default Config auswählen. In dieser Ebene werden zunächst alle Einstellungen vorgenommen – und Magento 2 hält eine enorm große Zahl von Einstellungsmöglichkeiten bereit.

Standardmäßig werden die Default-Einstellungen dann über die Websites, Stores und Store Views weitervererbt. Das heißt: gibt es mehrere Websites, Stores und Store Views in einer Installation, unterscheiden sie sich zunächst nicht sichtbar voneinander. Sind die Grundeinstellungen auf der Default-Config-Ebene vorgenommen, müssen alle Abweichungen, die im Beispiel die "Secondary Website" von der “Main Website” unterscheiden, für diese Website als Abweichung vom Standard definiert werden. Dazu muss die abweichende Website (Secondary Website) aus dem Drop-Down-Menü gewählt werden, dann die entsprechende Einstellung herausgesucht und durch das Entfernen des Hakens bei Use Default zum Bearbeiten freigegeben werden.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Nun kann die gewünschte Abweichung vom Standard für die Website definiert und gespeichert werden. Alle der Website zugeordneten Stores und Store Views erben die Abweichung dann automatisch, können aber bei Bedarf wiederum weitere Abweichungen zugewiesen bekommen.

Das Definieren von Abweichungen in der Konfiguration für Stores und für Store Views funktioniert analog zu den Einstellungen für eine bestimmte Website. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Stores ihre Konfiguration von der ihnen übergeordneten Website erben, während Store Views darin standardmäßig dem jeweiligen Store folgen, dem sie zugewiesen sind. Aus diesem Grund ist die Checkbox zum Freischalten und Sperren der einzelnen Optionen für Stores auch mit "Use Website" und – sofern mehrere Store Views vorhanden sind – für Store Views mit “Use Store” beschriftet – und nicht wie oben beschrieben mit “Use Default”.

1.3.2 Scopes: Worauf bei der Arbeit mit einem Magento 2 Onlineshop zu achten ist

Hat man mehrere Websites, unterschiedliche Stores und/oder verschiedene Store Views angelegt, ist in der weiteren Arbeit für den Aufbau und die Pflege eines Magento 2 Onlineshops an zahlreichen Stellen zu beachten, dass vor dem Durchführen von Änderungen auch der richtige "Scope" - also der Geltungsbereich - gewählt ist. Das heißt, erst wird ausgewählt, ob die Änderung sich lediglich auf einen bestimmten (und wenn ja: welchen) Bereich des Shops auswirken soll – und dann wird die eigentliche Änderung vorgenommen. So lassen sich etwa die Kategoriebäume nach Store Views getrennt verwalten.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Analog verhält es sich beim Anlegen von Artikeln, Preisregeln, CMS-Seiten und -Blöcken sowie beim Vornehmen von SEO-Einstellungen: für jedes neue Element muss der Scope definiert werden. Dabei stehen je nach Kontext Websites, Stores oder Store Views zur Auswahl.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

In einigen Fällen kann sogar innerhalb eines einzigen Drop-down-Feldes eine Auswahl innerhalb aller drei Scope-Ebenen vorgenommen werden.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

In der Administrations-Oberfläche lassen sich dann beispielsweise Artikel oder CMS-Blöcke nach dem jeweiligen Scope gefiltert anzeigen. Dafür gibt es jeweils eine gesonderte Tabellenspalte.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Und bei Bedarf lässt sich der Scope später natürlich auch noch verändern. Soll etwa eine Kategorie in einem weiteren Store View angezeigt werden oder eine Preisregel nur von einer bestimmten Website entfernt werden, ist dies über das entsprechende Auswahlfeld möglich.

1.4 Der Single-Store Mode in Magento 2

Für Shopbetreiber, die einen ganz einfach aufgebauten Onlineshop betreiben, der aus nur einer Website mit einem einzigen Store und einem einzigen Store View besteht, gibt es in Magento 2 den sogenannten "Single-Store Mode". Wird diese Option aktiviert, werden alle Optionen für Store Views und sämtliche anderen Scopes abgeschaltet, was der Übersichtlichkeit im Admin-Panel sehr zugute kommt.

Um den Single-Store Mode zu aktivieren muss im Menü Stores unter Settings der Punkt Configuration ausgewählt werden. Ganz unten findet sich dann der Abschnitt Single-Store Mode, in dem sich die entsprechende Option aktivieren lässt.

Magento 2 Handbuch – Kapitel 1: Wie unterscheiden sich Websites, Stores und Store Views?

Nach dem Speichern erscheint eine Meldung, die zum Leeren des Caches auffordert. Sobald der Cache geleert ist, erscheint die Administrations-Oberfläche im übersichtlichen Single-Store Modus. Sollte bereits zuvor ein abweichender Store View, ein zusätzlicher Store oder eine zweite Website angelegt worden sein, funktioniert diese Option jedoch nicht, da sonst möglicherweise wichtige Einstellungen unzugänglich würden. Der Single-Store Mode ist eben nur für diesen einen Sonderfall entwickelt worden: eine Website, ein Store, ein Store View.

1.5 Abschließende Bemerkung

Bereits zu Beginn der Konzeptionsphase für einen Magento 2 Onlineshop empfiehlt es sich, die grundlegende Struktur nach Maßgabe des dreistufigen Modells Websites, Stores, Store Views gründlich zu planen. Hat man das zunächst verwirrende Prinzip einmal verinnerlicht, liefert es eine sehr gute Grundlage für die Ausarbeitung von mehrsprachigen Shops und komplexen Multishopumgebungen. Der anfängliche Konfigurationsaufwand ist überschaubar, wenn man den Aufbau des Shops systematisch ausgearbeitet hat und konsequent vorantreibt. Über die Scope-Option kommt die Struktur des Shops an vielen Stellen der täglichen Arbeit mit Artikeln, Kunden, Bestellungen, Preisregeln, SEO-Funktionen und anderem mehr immer wieder zum Tragen und kann bei Nichtbeachtung zu unerwünschten Ergebnissen führen. Daher ist es für Shopbetreiber unerlässlich, sich intensiv mit diesem wichtigen Aspekt von Magento 2 auseinanderzusetzen. – Und wer weder unterschiedliche Shops noch unterschiedliche Sortimente noch unterschiedliche Oberflächen, Sprachen oder Designs benötigt, kann auf die entsprechenden Funktionalitäten verzichten und seinen Magento 2 Shop mithilfe des Single-Store Modes ausgesprochen übersichtlich verwalten.

 Inhaltsverzeichnis2. Kapitel: Kategorieverwaltung 

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