KI und Cyber-Security: Neue Bedrohungslage für Onlineshops
In diesem siebten Teil unseres Schwerpunkts „KI im E-Commerce“ widmen wir uns – aus aktuellem Anlass – dem Thema Security, das im „Schwarzen Oktober“ 2026 weltweit mit einem Schlag ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksam gerückt worden ist. Wenn Künstliche Intelligenz auf die Suche nach Sicherheitslücken geht, fördert sie Erstaunliches zutage, wie die seit Jahrzehnten in PHP unentdeckt gebliebenen Schwachstellen, deren Bekanntwerden zu spürbaren Erschütterungen in der Online-Welt geführt hat. Plötzlich war öffentlich, an welchen Punkten weite Teile des Internets verwundbar sind; es wurden verheerende Angriffswellen befürchtet, und zahllose Websites mussten vorübergehend vom Netz genommen werden. Cyber-Security war ist und bleibt ein Thema von grundlegender Bedeutung – nicht zuletzt im E-Commerce. Aber wie können sich Betreiber von Onlineshops im Zeichen der rasanten Entwicklung von KI-Systemen zum einen wirksam gegen Angriffe schützen und zum anderen Ausfallzeiten wegen notwendigen Sicherheitsmaßnahmen reduzieren?
Inhaltsverzeichnis
PHP2Shell et al.: KI spürt kritische Sicherheitslücken auf
Die Skriptsprache PHP bildet laut w3techs.com die Grundlage von knapp 70 Prozent aller Websites weltweit. Auch im E-Commerce basieren nach wie vor die meisten Onlineshops – unter anderem – auf dieser Technologie. Shops auf der Grundlage populärer Shopsysteme wie Adobe Commerce, Magento, Shopware oder dem auf WordPress basierenden WooCommerce waren ebenso wie Millionen von Websites von den kürzlich entdeckten Schwachstellen CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 betroffen. Aufgespürt worden waren die Sicherheitslücken in PHP erneut bereits Monate zuvor mithilfe von Künstlicher Intelligenz.
Noch mal alles gut gegangen?
Bereits im Sommer 2026 war die PHP Foundation darüber informiert, wo und wie genau Cyberkriminelle ansetzen können, um die Schwachstellen in allen bisherigen Versionen der Skriptsprache ausnutzen zu können. In zwei Monaten harter Arbeit sorgte ein vierköpfiges Team nun dafür, das Problem so zu beheben, dass alle betroffenen Systeme nach einem Update stabil weiterlaufen, wie ein Mitglied des Teams im Interview mit dem WDR berichtet.
Der Patch war fertig, der 22. Oktober stand als Release-Termin fest und die Kommunikation des Problems an die Öffentlichkeit war geplant. Es war alles bereit, um den enorm kritischen Vorgang so glimpflich wie möglich ablaufen zu lassen. Aber dann sorgte ein Leak dafür, dass die Sicherheitslücken doch bereits kurz vorher bekannt wurden und es entwickelte sich ein hektisches Geschehen, das erst mit dem um einen Tag vorgezogenen Release des Patches und den dann eilig vorgenommenen Updates wieder beruhigt werden konnte. Weit mehr als das halbe Internet war über eine öffentlich bekannte Schwachstelle verwundbar, und alle konnten sich ausrechnen, dass Cyber-Kriminelle weltweit gerade leistungsfähige KI-Modelle in Stellung bringen würden, um die günstige Gelegenheit für Angriffe auszunutzen.
Vorsorglich wurde eine große Zahl von Websites vorübergehend vom Netz genommen, da ein sicherer Betrieb nicht mehr gewährleistet werden konnte. So waren zahlreiche Internetpräsenzen von Behörden und Unternehmen und auch beispielsweise Wikipedia zeitweise nicht erreichbar. Einige Hosting-Anbieter trennten Managed Server und Cluster für Stunden vollständig vom weltweiten Datenverkehr, um sie erst nach erfolgreichen PHP-Updates im Lauf des Abends und der Nacht wieder erreichbar zu machen. Die Verwerfungen im Zuge des Bekanntwerdens der Sicherheitslücken waren erheblich und weltweit spürbar, obwohl eigentlich – fast – alles noch mal gut gegangen war. Jedenfalls soweit bisher bekannt ist.
Es stand ein robuster Patch bereit, der direkt und unkompliziert eingespielt werden konnte, die Schwachstellen und ihre Bedeutung wurden transparent kommuniziert und da die Voraussetzung für das tatsächliche Ausnutzen der Sicherheitslücken sich als ziemlich hoch erwiesen (wie die Experten für Security im E-Commerce von Sansec erklärten), waren erfolgreiche Attacken relativ unwahrscheinlich. Und doch waren die Schockwellen rund um PHP2Shell massiv und die Down-Time zahlreicher Systeme fiel empfindlich lang aus, obwohl Admins in aller Welt sofort und unter Hochdruck begannen, betroffene Server mit Updates zu versorgen. Zwar gab es schon früh Berichte über entsprechende Angriffsversuche, aber bislang sind keine Berichte über erfolgreiche Attacken anhand der inzwischen geschlossenen Schwachstellen in PHP bekannt. Auffällig war allerdings, dass auf seit langem bekannte Sicherheitslücken sehr viele Angriffsversuche gestartet wurden.
„Neues Zeitalter der Cybersicherheit“
Derweil stellte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger unter dem Eindruck der Ereignisse fest, dass „wir am Beginn eines neuen Zeitalters der Cybersicherheit stehen“, da KI-basierte Tools nun in der Lage sind, Schwachstellen schneller und zielsicherer aufzuspüren als das bislang denkbar war. Zugleich äußerte der Branchenverband Bitkom öffentlich große Besorgnis, da viele Betreiber von Online-Anwendungen gar nicht genau wissen, was in ihrem Software-Stack eigentlich alles enthalten ist und auch nicht angemessen auf Bedrohungslagen reagieren können, weil ihnen dieser Überblick fehlt. Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Club (CCC), warf die Frage auf, wie Betreiber von Websites und Onlineshops in Fällen von Fahrlässigkeit haftbar gemacht werden können und unterstrich im Deutschlandfunk, dass Behörden und Unternehmen ihre Sicherheitskonzepte dahingehend anpassen müssen, dass Security-Updates jederzeit kurzfristig installiert werden können. Als nun zahlreiche Websites und Shops vorübergehend vom Netz genommen werden mussten, wurde aber in vielen Fällen deutlich, dass für solche Situationen noch nicht einmal eine Wartungsseite mit den notwendigsten Informationen vorbereitet war.
Geeignete Sicherheitsmaßnahmen zum Wappnen des eigenen Shops
Klar ist: Wenn es um Sicherheit geht, sind die Betreiber von Onlineshops in der Pflicht, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen, um ihre Systeme und die Daten ihrer Kunden zu schützen. Das gilt im Zeitalter von immer leistungsfähigeren KI-Modellen umso dringender. Aber was genau müssen Händler jetzt tun, um die Sicherheit ihrer Shops und Kundendaten zu maximieren und zugleich Risiken und Down-Time für kritische Wartungsarbeiten zu minimieren? Wir haben eine Reihe von wichtigen Maßnahmen zusammengestellt.
Überblick verschaffen: Komponenten im Software-Stack auflisten
Wer einen Onlineshop betreibt, muss wissen, auf welchen Systemen und Komponenten die Anwendung beruht: Betriebssystem, grundlegende Web-Technologien wie PHP, Datenbank, Frameworks, JavaScript-Bibliotheken, Shopsystem, Erweiterungen, angebundene Systeme et cetera. Um im Fall des Bekanntwerdens von Sicherheitslücken Handlungsbedarf sofort erkennen zu können, ist ein solcher Überblick die Grundvoraussetzung.
Sichere Authentifizierungsmethoden etablieren
Um sicherzustellen, dass Angreifer nicht einfach anhand eines erbeuteten Passworts in den Shop eindringen können, sollte die Authentifizierung für das Backend flächendeckend auf 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) umgestellt werden.
Regelmäßige uns anlassbezogene Updates sicherstellen
Regelmäßige Updates aller beteiligten Systeme und Komponenten müssen grundsätzlich eingeplant sein und auch tatsächlich durchgeführt werden. Zusätzlich müssen zu aktuellen Anlässen wie dem Bekanntwerden von Schwachstellen umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden – je nach betroffenem Layer im Software-Stack und betriebenem Setup durch den Hoster, Sicherheitspartner, die den Shop technisch betreuende Agentur oder die eigene IT-Abteilung.
Security-Check durchführen lassen
Im Rahmen eines intensiven Security-Checks wird die Sicherheitsarchitektur eines Onlineshops einer intensiven Prüfung unterzogen und auf den aktuellsten Stand gebracht. Gecheckt und bei Bedarf abgesichert werden sensible Ressourcen, kritische Pfade, bekannte Schwachstellen und problematische Module. Zusätzlich zur Durchführung und Auswertung einer umfassenden Überprüfung des Systems und der Software-Infrastruktur auf dem Server werden auch Log-Dateien nach Auffälligkeiten durchsucht, verdächtige PHP-Dateien aufgespürt und das Dateisystem auf Viren gescannt. Um langfristig abgesichert zu sein, ist es empfehlenswert, nach dem „großen“, einmalig durchgeführten Security-Check den frisch abgesicherten Shop im Rahmen eines Security-Servicevertrags bei geringen laufenden Kosten regelmäßig überprüfen und absichern zu lassen.
Security-as-a-Service: DDoS-Schutz und WAF einrichten
Das konsequente Befolgen von Security-Best-Practices ist die Grundvoraussetzung für einen sicheren Shop. Aber gerade wenn es darum geht, bösartige Bots, DDoS-Attacken und auch elaboriertere Angriffe abzuwehren, empfiehlt sich eine Aufstockung der Sicherheitsarchitektur. Während sich bei Cloudflare und Akamai als Anbieter mit Hauptsitz in den USA datenschutzrechtliche Bedenken nicht ganz ausräumen lassen, gibt es mit Myra Security auch einen sehr etablierten Anbieter für hochentwickelte Security-as-a-Service-Lösungen mit Sitz in Deutschland. Myra verfügt über alle wichtigen Zertifizierungen und ist auch für den Schutz der Webpräsenzen von großen Unternehmen und kritischer Infrastruktur geeignet.
Können wir Sie im Bereich Cyber-Security im E-Commerce beraten?
Wenn Sie Unterstützung beim Schutz Ihres Onlineshops vor den Auswirkungen von kritischen Sicherheitslücken benötigen, helfen wir Ihnen gern. Wir sind hervorragend in der E-Commerce-Community vernetzt, haben einen guten Draht zu Security-Experten im Open-Source-Bereich und arbeiten eng mit vom BSI empfohlenen Dienstleistern für IT-Sicherheit zusammen.